Thomas Kreimeyer - Stehgreifkabarett

Presse

2013

Kabarett.AT, Österreichisches Online Portal,Montag, 11. November 2013

Goldener Kleinkunstnagel 2013 an Thomas Kreimeyer

Die Nagel-Trophäe hat einen Besitzer gefunden. Mit einer Impro-Oerformance vom Allerfeinsten begeisterte der aus Wiesbaden stammende Steh-Greif-Kabarettist Thomas Kreimeyer am vergangenen Samstag im Theater am Alsergrund.

So noch nie gesehen

Der Grundtenor der Gespräche unter den anwesenden Kabarettfans, Journalisten und Branchenleuten war der selbe, während man gespannt auf die Bekanntgabe des Ergebnisses wartete: So etwas habe man in dieser Form noch nicht gesehen! In der Tat begeisterte Thomas Kreimeyer mit seiner ganz eigenen Form des Stegreifkabaretts. Im eleganten Zweireiher erschien er auf der Bühne, verließ sie aber recht bald und verbrachte mehr Zeit im Publikumsraum als auf der Bühne. Er stellte den Leuten scheinbar ganz banale Fragen: Was sie gerne im Fernsehen sehen, welchen Beruf die ausüben, u.s.w.

Was Kreimeyer dann aus den meist ebenso umspektakulären Antworten machte, war faszinierend: Er paraphrasierte die Aussagen des Publikums, zog unerwartete Schlüsse und Folgerungen, vernetzte diese virtuos, brachte letztlich die Zuschauer untereinander ins Gespräch und sorgte damit für überraschte Begeisterung. Die Einbeziehung des Publikums in der Kleinkunst, die häufig so bemüht und manchmal deplatziert wirkt, hier war sie Methode. Das Auditorium generierte die Unterhaltung scheinbar ganz von selbst, angeleitet und moderiert von Mastermind Kreimeyer, der die Zügel zwar locker ließ, aber stets die Kontrolle über das Geschehen behielt.

Das begeisterte auch die Fachjury, die in ihrer Begründung schrieb:"Ein mutiger Mann, der ein Netz mit dem und über das Publikum webt. Er macht aus jeder Wortspende ein Vermögen. Er erhebt Improvisation zu einer Kunstform und lässt das Publikum lauthals lachen, vor allem über sich selbst!"

Die Verlesung der Ergebnisse durch den bewährten Moderator Harry Granitzer bestätige dann wohl die Erwartungen vieler Anwesenden: Thomas Kreimeyers Auftritt überzeugte auf voller Länge und sorgte dafür, dass der Träger des Goldenen Kleinkunstnagel zum zweiten Mal in Folge einer ist, der den üblichen Genrekonventionen entsagt, der eigenständig ist und zeigt, das die Szene nach wie vor voller Dynamik und Innovationskraft steckt. Was könnte man für ein erfreulicheres Resümée ziehen?

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Rheinische Post, Mönchengladbach, Montag, 11. November 2013

Von Angela Rietdorf

Das Sprachverhalten der Männer

Thomas Kreimeyer zeigt im Theater im Gründungshaus, wie unterhaltsam Kommunikation ist. Dabei kommt er auch mit den Zuschauern ins Gespräch.

Was Thomas Kreimeyer macht, ist für die meisten Schauspieler die Hölle: Er kommt auf die Bühne und kennt weder seinen Text noch weiß er, wie der Abend verlaufen wird. Aber er weiß eins: "Kommunikation findet immer statt." Also betritt der Kabarettist in schwarzem Anzug und rotem Hemd die Bühne des TIG, hängt einen kleinen roten Stuhl an die Bühnenwand, zieht seinen Küchenwecker auf ("Ich arbeite auf Zeit") und fängt an, sich mit dem Publikum zu unterhalten. Das reagiert erst etwas verhalten,, wird dann aber zunehmend lockerer und amüsiert sich köstlich.

Kreimeyer beherrscht die Kunst, witzige oder absurde Momente der Kommunikation herauszuarbeiten und zu kommentieren, ohne zu verletzen oder bloßzustellen. An diesem Abend beginnt er damit, sich mit den Paaren in der ersten Reihe zu unterhalten. Schnell kommt das Gespräch auf das Sprachverhalten der Männer. Kreimeyer fasst zusammen, was eine Besucherin ihm erzählt: "Mal sagt er nichts, mal redet er dazwischen, aber er ist immerhin im Sprachmodus. Wie lange arbeiten Sie schon daran?" Weiter geht die Unterhaltung durch alle Reihen und viele Themen: Demonstrationen, Ernährung, Kochkünste, Berufe und vieles mehr. Immer wieder verknüpft Kreimeyer die Themen, kommt auf früher Gesagtes zurück, kreiert Bilder in den Köpfen. Das Publikum erkennt sich amüsiert wieder. Oder lacht über gelungene Verknüpfungen. Wenn Kreimeyer einen Besucher, der von sich sagt, er

"Ich öffne kleine Fenster in das Leben anderer Menschen" Thomas Kreimeyer

würde friedlich demonstrieren, wenn der Staat in Schieflache sei, mit einem Handwagen samt Buddhafigur zum Zeichen seiner Friedfertigkeit auf Demos schicken will, dann kommt Freude auf

Es wird viel gelacht an diesem Abend, aber immer über Formulierungen, Eigenarten, Beziehungen, nie über Menschen. Thomas Kreimeyer sagt von sich, er mache eigentlich das Gegenteil von konventionellem Kabarett. "Ich habe kein Ziel, auf das ich hinarbeite, ich will kein bestimmtes Thema unterbringen", erklärt er nach der Vorstellung. Deshalb hat er auch keine Angst, dass seine ungewöhnliche Form der Unterhaltung nicht funktionieren könne. "Es passiert immer etwas", meint der studierte Medizinsoziologe und gelernte Clown. "Mancher kann auch gut etwas nicht sagen oder mich anschweigen. Auch das löst Assoziationsketten bei mir aus."

Allerdings braucht er für seine Form des Steh-Greif-Kabaretts hohe Konzentration und Wachheit, um immer wieder Fäden zu verknüpfen und Themen aufzugreifen. Dann entsteht eine Atmosphäre der Intimität und der Kommunikation, egal ob nun zwanzig Leute im Publikum sitzen oder tausend. "Das ist wie nach einer Klassenfahrt", erklärt Kreimeyer. "Die Leute kommen in der Pause miteinander ins Gespräch."

Auch in Mönchengladbach funktioniert das: Man lernt das Publikum um sich herum kennen, weiß über Vorlieben oder Essgewohnheiten - so ist Bulgur-Salat der Renner unter den Zuschauern - Bescheid oder ob jemand lieber Karotten oder Zwiebeln hackt.

"Ich öffne kleine Fenster in das Leben anderer Menschen", sagt Thomas Kreimeyer von sich selbst. Und das ist eine ganz besondere Form der Unterhaltung, die einen Abend gestaltet, der durchaus in Erinnerung bleibt.

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Schwarzwälder Bote, Furtwangen, Dienstag, 15. Oktober 2013

Von Brigitte Frank-Gauckler

Publikum spielt munter mit

Steh-Greif-Kabarettist Thomas Kreimeyer sorgt in der Kulturfabrik für beste Unterhaltung

Furtwangen. Ohne festes Programm, aber mit Konzept spielte Stegreif-Kabarettist Thomas Kreimeyer am Freitagabend in der Kulturfabrik ein überaus heiteres Spiel mit dem Publikum

Es ist ein Abend mit absurden Dialogen, Redegewandtheit und viel Spontanität und ohne jegliche Distanz zwischen Bühne und Publikum. Unaufgeregt, in feinem Zwirn samt Weste und rotem Hemd wirkt der selbst ernannte soziologisch vorbelastete Unterhalter sehr seriös. Seine Kommunikationsmittel sind die Fragerei, wenige Gesten und die zuckenden buschigen Augenbrauen. "Was haben Sie heute gemacht, wo kommen Sie her, was sind Sie von Beruf", kaum einer entkommt seiner Befragungsfalle. Er fragt so lange nach, bis er irgendwo einhaken kann und die gegenseitige Kommunikation teils ins Absurde führt.

Ganz schnell wechselt er von einem Zuschauer zum anderen, es werden im laufe des Abends immer mehr und er vergisst nichts und bindet das Gehörte immer wieder ein. Und kommentiert dies auch: So macht Kreimeyer an verschiedenen Tischen motziges Potential aus wie auch eine Frauen-Kampftruppe.

Kreimeyers Thema ist das Publikum, so kommt die Debatte ums Oxford-Englisch kontra Amerikanisch auf, die richtige Studienwahl und ob ein Landarzt nur Landbevölkerung mit Gummistiefeln behandelt.

Staubsauger-Roboter kommen ins Spiel und Kreimeyer trifft auch auf einige Lehrer, eine willkommene Steilvorlage. Aber nur solange, bis sein roter Küchenwecker klingelt, dann verabschiedet er sich mitten im Satz in die Pause.

Wer hat die Macht über die Fernbedienung und warum muss man Tierdokus anschauen - die Bälle fliegen nur so hin und her, nebenbei erfährt man auch einiges über den Sponsor des Abends, die Familie Jäger, hineingeboren ins Getriebe.

"Kopfstand entlastet die Knie", ein weiterer Rat des indienerfahrenen Gurus an einen jungen Fußballspieler, der eigentlich mal zur Polizei wollte. Kreimeyers Grundidee des Lebens ist die Kommunikation und Interaktion. Dies führt er demonstrativ vor, nie jedoch sein Publikum. Vielmehr animiert er es zum miteinander Lachen über absurde Verknüpfungen.

Er fand für sein Konzept ein begeistertes Publikum, das wunderbar mitspielte und sich somit selbst einen überaus lustigen Abend bereitete

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Kreis Anzeiger, Wallernhausen-Nidda, Montag, 12. August 2013

Von Andreas Matlé

Absurd, grotesk und äußerst unterhaltsam

Alter Dorfladen Thomas Kreimeyer befragt das Publikum

Wer weiß, vielleicht geht vom vergangenen Samstagabend in Wallernhausen ein Zeichen in die Welt hinaus - ein Zeichen für die weltweite Abrüstung. "Eine dramatische Entwicklung für Sie", redete Thomas Kreimeyer dem jungen Mann aus dem Publikum, der ihn zu dieser dramatischen Möglichkeit inspiriert hatte, ins Gewissen. "Das ist Ihre Chance - vermarkten Sie das!"

Die Idee, die Kreimeyer nach der Befragung des Besuchers aus Frankfurt gesponnen hatte: das Prinzip des 'verdeckten Gewehrs'. Der Frankfurter hatte sich als Bub in der Fastnacht als Cowboy verkleidet. Er trug aber keine Pistolen im Halfter, sondern hielt 'ein kleines Gewehr' in den Händen. Kreimeyer: "Kleines Gewehr - das haben Kinder doch nur in den USA." Ob er denn heute noch eine 'Knarre' habe? Zögern - dann grätschte die Freundin von rechts in die Parade. "Klar!" "Klar?" Ja, ein Dekogewehr, das hänge an der Wand im Wohnzimmer. Was es denn da zu suchen habe? Na ja, es sei verpackt. "Ein verpacktes Gewehr an der Wand?" Nein, nein, mittlerweile liege das Gewehr verpackt im Keller. Kreimeyer: "Sie handeln nach dem Motto: Ich wäre bereit, aber ich tue es nicht." Die Idee des 'verdeckten Gewehrs' war geboren. "Jeder Haushalt sollte ein solches besitzen."

Damit war diese Geschichte aber noch nicht beendet. Sie wurde zum Stichwort für Thomas Kreimeyer zum Anknüpfen an die Antworten, die ihm die anderen Besucher des Unterhaltungsabends im Alten Dorfladen geben mussten. Ja, mussten - denn der Steh-Greif-Kabarettist wickelt die Besucher in einer Art und Weise um den Finger, dass sich keiner aus der Befragungsfalle befreien kann. Kreimeyer wiederum ist so flexibel, dass er aus jeder Antwort seinen Honig zieht. Kaum einer bockt, denn schnell wird klar: Im Gegensatz zu Zuschauern, die im Zirkus von Clowns in die Manege gezerrt werden, führt Kreimeyer keinen vor, er wird nie schlüpfrig oder gehässig. Es scheint viel eher, als erwecke er in jedem einen gewissen Spieltrieb, Teil der Show zu sein. Denn die anderen lachen nicht über die Befragten, sondern letztlich über die absurden Verknüpfungen, die Kreimeyer spinnt. Dabei steht er in der Brillanz, Absurdes und Groteskes zu puzzeln, weder einem Loriot noch einem Olli Dittrich nach.

Bei Kreimeyer verläuft kein Abend wie der andere, schließlich weiß er nie, wer vor der Bühne sitzt. Das Spiel beginnt mit der Antwort einer Besucherin, dass sie nicht aus Wallernhausen, sondern aus Bobenhausen komme. 500 Menschen wohnten dort, 1000 hier. "Und wenn Sie nach Wallernhausen kommen, was machen Sie so hier? "Ich fahre nur durch." "Genau - das ist die Arroganz derer, die in der kleinen Stadt wohnen: Ich fahre da nur durch. " Einwurf von einer anderen Frau: "Ich komme auch nicht von hier." "Was soll das denn heißen?. Das sind hier doch auch nur Menschen."

So entspannen sich Dialoge, wie sie Kommunikations-Experte Loriot nicht besser hätte erdichten können: "Wie sind Sie hier hergekommen?" "Über direkte Bekannte." "Direkte Bekannte?" "Ja, die eigentlichen Bekannten konnten heute nicht, und das hier am Tisch sind dann Bekannte, die wir über die eigentlichen Bekannten kennen gelernt haben." "Also indirekte Bekannte?".

Kreimeyer kommentiert das grandios mit Gesten, mit zurückhaltender Mimik - die hochgezogenen Brauen, die geschürzten Lippen, die nah oben gezogenen Mundwinkel, die aufgerissenen Augen, die nach außen gestellten, vom Körper abgewinkelten offenen Handflächen. Und das durch Loriot berühmt gewordene, vermeintliche Harmlosigkeit ausdrückende "Ach".

Kleinigkeiten des Alltags nehmen eine geradezu dramatische Wendung, wenn Thomas Kreimeyer sie mischt und paradox zusammenfügt. Jeder Abend wäre beinahe ein Buch wert, zumindest ein Taschenbuch. Und warum der Mann noch nicht im Fernsehen aufgetaucht ist, bleibt ein Rätsel. Vielleicht, weil man es dort nicht allzu spontan mag.

Quelle: www.kreis-anzeiger.de/...

2012

Bonner Rundschau, Samstag, 6. Oktober 2012

Von Ina Jain

Ein Unterhalter, der sich unterhält

Thomas Kreimeyer setzt im Pantheon auf Kommunikation mit dem Publikum

Bonn. Der Zuschauer an sich lehnt sich gerne gemütlich auf seinem Platz im Sicherheitsraum des verdunkelten Theaters zurück, von wo aus er ungestört das Spektakel auf der Bühne genießen kann. Alles kam anders am Mittwochabend im Pantheon-Casino, als Kabarettist Thomas Kreimeyer auf Kommunikation setzte.

Das Programm des Abends "Kabarett - der rote Stuhl" ließ er wortgewandt und spontan aus den Gesprächsfäden mit dem Publikum entstehen. Zurücklehnen und zuschauen gab es nicht, denn Thomas Kreimeyer nahm seinen Beruf beim Wort: Ein Unterhalter unterhält sich. Munter plauderte der Kabarettist mit seinen Zuschauern, fühlte ihnen redegewandt auf den Zahn und analysierte das Antwortverhalten.

Ob aus dem Mund des Mitarbeiters bei der Lebenshilfe, des Rechtsanwalts oder des Lehrers, der Kabarettist legte die Worte auf die Goldwaage. Da kam die eigene Antwort von der Bühne gespiegelt leicht etwas befremdlich daher, wenn aus der Krankenversicherung eine "Versicherung gegen Kranke" und scheinbare Versicherungsschläue in "zyklisches Schlüpperklauen" übersetzt wurde.

Mit einer Chemielehrerin diskutierte Thomas Kreimeyer die Herausforderungen der Gruppenexplosion und der Bänker in der ersten Reihe wähnte sich nur einen Moment in Sicherheit als er auf die Frage nach seinem Beruf antwortete: "Ich bin bei der Bank." Thomas Kreimeyer konterte:"Ich will Sie nicht beunruhigen, aber das ist noch kein Beruf." Und erzählte gut gelaunt vom eigenen Bankbesuch.

Der studierte Soziologe Kreimeyer versuchte das Sprachniveau mit Mehrwort-Sätzen zu heben und wollte wissen, wie sich "Arschloch" in einen "rechtsgesicherten Terminus" übersetzten lässt. Besonders angetan hatte es ihm eine Zuschauerin, die Führungskräften am Beispiel von Tieren den Umgang mit den Mitarbeitern zeigt. Da dauerte es nicht lange, und in der Rechtsanwaltskanzlei stand ein Esel, der kleine Schulchef ging zur Pferdetherapie und das Bonmot des Abends entstand: "Das ist glaub iach wieder 'nen Fall für ihr Pony."

Nach der Pause hatte der Kabarettist dann selbst Gesprächsbedarf, nachdem er in der ersten Hälfte gegen magere Besetzung im Publikum. die Dunkelzonen im Casino und zähflüssige Atmosphäre gekämpft hatte, erklärte er sein Konzept. "Nur wenn wir miteinander kommunizieren, kann sich etwas verändern", schloss er und stürzte sich direkt in die nächste Runde, reizte an den Wurzeln der "Irritation mit Fremden zu reden" und ließ nicht locker, um Veränderung heraus zu kitzeln. Thomas Kreimeyer bot ein neues Kabaretterlebnis jenseits festgezurrter Grenzen.

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Trierischer Volksfreund, Montag, 23. April 2012

Von Sybille Schönhofen

Ein Mann, 150 lachende Gäste

Kabarettist Thomas Kreimeyer eröffnet die Eifelkulturtage mit Segreif-Kabarett in Hetzerath

Beste Stimmung bei der Premiere der diesjährigen Eifelkulturtage in Hetzerath: 150 Gäste feierten mit Kabarettist Thomas Kreimeyer unter Dauergickeln bis zum tränenerstickten Lachen. Zweieinhalb Stunden strickte der Erfinder des Stegreif-Kabaretts eine spontane Show um die Antworten seines Publikums.

Hetzerath. Es fängt ganz harmlos an:"Wo kommen Sie her?", fragt Thomas Kreimeyer. Die Antworten: Hetzerath, Schweich, Ulmen, Bruch, Lieser, Pölich, Bekond, Bitburg. Einen nach dem anderen fragt der 55-jährige, der in Wiesbaden lebt, dann aus:"Wieviele Kinder, was haben Sie auf dem Konto, was ist Ihr Beruf?" Es ist ein Spiel, in dem jeder unverhofft zum Mitspieler werden kann, auch wenn er angestrengt auf den Boden blickt. "Was Sie wahrscheinlich nicht wissen, selbst wenn Sie runter gucken, kann ich Sie sehen", klärt er eine Dame auf. Sie bleibt trotzdem verschont. Andere nicht. Wie die Bankangestellten in der ersten Reihe. Der eine entlarvt seine Tätigkeit als ein einziges Kaffeekochen, der andere steckt seit ewigen Zeiten in der Warteschleife zur Ausbildung, wird den Laden aber sehr bald übernehmen. Das Publikum erfährt auch etwas über den Pizza liebenden Schüler, der zu einer Hundertschaft der Polizei gehören möchte und seit Brei-Tagen von der Mutter mit Karotten verfolgt wird. Laut Kreimeyer kann das nur darin gipfeln, dass er sie als Kampfmaschine bei einer Öloaktivisten-Demo plattmachen wird.

Aus Informationshäppchen sprießen absurde Szenarien in Kreimeyers Show, in der das Publikum aus dem Lachen nicht rauskommt und sich eine Verlängerung erklatscht.

Seine Stärken sind Redegawandtheit und Spontaneität. Der Soziologe spiegelt die unfreiwillige Komik in den persönlichen Einblicken, die ihm das Publikum liefert, und erreicht durch die Kommunikation sein Ziel: "Alle sollen das Gefühl haben, wir feiern gemeinsam eine große Party." Das ist ihm gelungen. Es war eine Party, auf der man viel voneinander erfuhr und gemeinsam lachte. So viel, dass sich vorher Fremde Bonbons gegen den Lachkrampf reichten. sys

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Erlanger Nachrichten, Montag, 12. März 2012

Von Sabine Kreimendahl

Meister der Spontaneität

Mitmach-Spaß: Thomas Kreimeyer gastiert im "fifty fifty"

Das gibt es heute selten, obwohl diese allerorten beliebte Spielart bis in die Antike zurückreicht: Das Stegreif-Theater. Im "fifty fifty" war mit Thomas Kreimeyer ein zeitgemäßer, wahrer Meister dieses Faches an zwei Abenden zu erleben.

Kreimeyer hat kein festes vorgegebenes Programm, sondern entwickelt dieses mit den Zuschauern. Der smarte Berliner im eleganten grauen Anzug und hellroten Shirt redet die Leute einfach an. Am besagten Abend kommt er - wegen leider nur schwacher Auslastung im "Fifty"-Theater - fast ganz rum. Jeder Anwesende wird zum Spielkameraden, zum Aufhänger für Kreimeyers philosophische Witze, Wortklaubereien und Sprachverdreher. Das erzielt Dauer-Amusement über akkurat zwei Stunden, die Kreimeyer gestreng mit der roten Eieruhr misst.

Der "Rote Stuhl" hat dabei nur Alibi-Funktion, wird als Mini-Requisite am Vorhang befestigt, um dem Zuschauer die etwaige Angst vor des "Sich-positionieren-müssens" zu nehmen. Mit simplen Fragen nach Beruf und des Tagesablaufs lockt der sympathische Berliner selbst mundfaule und gehemmte Zuschauerakteure aus der Reserve. Warum denn die gerade im Umbau befindliche Küche so viele neue Steckdosen brauche, obwohl dadurch die Arbeit beim Weltkonzern ins Stocken kommt? Die Antwort der Mitakteurin, dass sich die "Elektrogeräte vermehrt" haben, veranlasst Kreimeyer zu der Feststellung, dass "Sex in der Küche" damit eine ganz andere Dimension erhält.

Respekt vor dem Publikum

Als "running gag" dient Kreimeyer eine Gruppe von Krankenschwestern und einer Zahnärztin im Publikum. Immer wieder greift er die Antworten auf, verknüpft geistesgegenwärtig, fantasiert gewitzt drauf los. Was den Abend wirklich unterhaltsam, nie peinlich macht: Kreimeyer bewahrt den Respekt vor seinen "Zuschauerakteuren", bleibt humorvoll und niveauvoll. Das hat Klasse, das hat weiterhin Zukunft und ist gewiss jeden Abend neu! Beim nächsten Mal hingehen!

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2011

Wiesbadener Tagblatt, Montag, 28. November 2011

Von Nina Waßmundt

Ein großgewachsener Mann mit rotem Pulli und elegantem grauen Anzug betritt die Bühne. Mit im Gepäck: Eine Eieruhr, ein roter Stuhl in Miniaturgröße, feinste Situationskomik, Wortwitz und Schlagfertigkeit. Die Zuhörer reißt es in den nächsten zwei Stunden vor Lachen fast von den Stühlen des Pariser Hoftheaters. Das Erfolgsrezept von Thomas Kreimeyers Steh-Greif-Kabarett "Der rote Stuhl": Er steht in ständigem Dialog mit dem Publikum. Er zerpflückt die Antworten der Gesprächspartner bis ins Absurde und das, ohne die Personen dabei ins Lächerliche zu ziehen. "Was machen Sie beruflich?" - "Unterschiedlich". - "Das ist im Grunde kein Beruf".

Zu Beginn des Abends stellt Kreimeyer klar: Den roten Miniatur-Stuhl hat er nur aufgrund von Nachfragen über den Programmrahmen dabei. Er hängt ihn an die Wand der Bühne und erklärt, dass man sich visuell dort ausruhen könne, wenn man sich intellektuell überfordert fühle. Seine erste Frage "Wie kochen Sie ihr Ei?" lässt zunächst die Befürchtung aufkommen, der Abend rutscht unter die Gürtellinie oder werde zu einer Loriot-Imitation. Zehn Minuten später ist jedoch klar: Kreimeyers Form von Kabarett ist neu, ungewöhnlich - und ungeheuer komisch. Egal was sein Gegenüber auf die Fragen nach Herkunft, Beruf oder Familienstand antworten, er ist auf alles vorbereitet und führt mit Mimik, Gestik, sonstiger Körpersprache und skurrilen Schlussfolgerungen sicher zum Angriff auf die Lachmuskeln. Er baut witzige Gegensätze zwischen den Raumhälften auf ("Rechts kocht man Eier mit der Atomuhr und links weiß man noch nicht mal, wo man aufgewachsen ist"), zu denen er in Verlauf des Abends immer wieder Verknüpfungen herstellt und damit eine gute Merkfähigkeit beweist.

Ob Oestrich-Winkel und seine Straußwirtschaften, das Ehepaar, das von Wiesbaden durch ganz Deutschland zieht, um sich schließlich in Mainz niederzulassen, oder der Jurist, der seine Ehefrau bei einem Zeitmanagement-Seminar kennengelernt hat und später offenbart, dass er aus Zürich stammt ("Ach du grüne Neune, da macht natürlich Zeitseminar wieder Sinn") - bemerkenswert ist, das während des gesamten "Programms" keine Tiefpunkte, keine Abflachung oder nur ein Anflug von Langeweile entstehen, eine Pointe jagt die Nächste. Nicht im Geringsten ist vorauszusehen, worauf ein Thema, ein Gespräch hinausläuft - Stegreif-Kabarett eben. Kreimeyer, der gerade von Berlin nach Wiesbaden zieht, erzählt von seinen ersten Erfahrungen mit der Stadt, seinen Bewohnern und dem Umland: "Hessen reden an meinem Hirn vorbei". Auf den Zuruf "Vettel ist ja auch schnell" reagiert er mit "Ja, aber eher untenrum. Fühlt sich tatsächlich jeder Hesse als Vettel?".

Zum Schluss wird es sogar noch etwas schwärmerisch, denn Kreimeyer erzählt vom "besonderen Lebensgefühl", das man in Wiesbaden habe, wenn man zu Fuß zur Oper laufen und danach noch einen kontemplativen Spaziergang nachhause machen kann. Von seinem Umzug erhoffe er sich außerdem ein "distanzierteres Verhältnis zur deutschen Bahn". Das Publikum quittiert Kreimeyers Unterhaltungs-Fähigkeiten am Ende mit heftigem Applaus und bekommt sogar noch ein wenig Zugabe-Zeit. Auf seiner Homepage bezeichnet er sich selbst als ein mit akademischer Ratlosigkeit absegneter Soziologe. Mehr von Kreimeyers humorig brillant verpackter Ratlosigkeit gibt es an Sylvester, 18 und 22 Uhr, und am 12. Januar, 19.30 Uhr, im Pariser Hoftheater. Karten unter 0611/300607. Achtung: Jeder "Programm"-Abend ist völlig anders, die (verbale) Beteiligung des Publikums trägt zum Gelingen bei.

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Westfälisches Volksblatt, Mittwoch, 27. Juli 2011

Von Rainer Maler

Ob die Zuschauer wussten, was mit dem Alleinunterhalter Thomas Kreimeyer im Libori-Nacht-Kabarett im 'Raum für Kunst' auf sie zukam, das steht in den Sternen über dem Liborihimmel.

Selten wurde so viel gelacht, und das über zwei Stunden Programm. Der Dank gilt den Machern des Libori-Nacht-Kabaretts, die seit Jahren tolle Kabarettisten und Entertainer nach Paderborn holen, die Auskunft zur Lage der Nation geben können und wie es sonst so um uns bestellt ist.

Thomas Kreimeyer ist mit seinem 'Kabarett der rote Stuhl' ein ganz heißer Anwärter auf den Titel "Bester Unterhalter des Jahres". Da kommt ein Mann auf die Bühne mit dem Modell eines roten Stuhls in der Hand sowie einer roten Eieruhr und beginnt sein Gespräch mit den Zuschauern - ein großer, dunkelhaariger mann, und aus der letzten Reihe ist eine Zuschauerin zu vernehmen mit den Worten: "Den würde ich sofort heiraten!"

Mit seinem Stegreif-Kabarett beschreibt sich Kreimeyer als unterhaltender Unterhalter. Ein paar Fragen nach Herkunft, Beruf und was es so zu essen gab, und schon ist man mitten drin im Zwiegespräch. Einen nach dem anderen verstrickt er in seinem Fabulatorium. Wetter, Arbeit, Freizeit, Familienstand, mehr Zutaten braucht Kreimeyer nicht, und schon wird gelacht. Ein Zahnarzt landet mit einem mobilen Behandlungsstuhl auf dem Pottmarkt und die Mathematiklehrerin zeigt, dass auf die Frage wieviel 4 multipliziert mit 7 sei, auch die Antwort "eine ganze Menge" eine Lösung sein kann. Schnell bricht ein Engelgeschwader zum Betriebsausflug nach Schloß Neuhaus auf. Wer die harmlose Frage nach dem Wohnort mit nach dem Schloß beantwortet, der löst sogleich eine Diskussion über Dienstboten und die Geburt im Stall aus.

Thomas Kreimeyer greift nicht in die Klamottenkiste, er wärmt nicht kalten Kakao auf, um die Zuschauer dort hindurch zu ziehen. Er lockt den Zuschauer mit Charme, schaut ihm aufs "Maul", aber er macht ihn nicht zum Narren.

Wenn jemand als Gewinner der "Goldenen Gudrun 2010" im die Ecke des Liborifestes kommt und sich selbst als mit akademischer Ratlosigkeit abgesegneter Soziologe auf seiner Homepage outet, dann erwartet man Spannung oder ätzende Langeweile. "Schau mir in die Augen, Kleines!", sagt Humphrey Bogart zu Ingrid Bergmann in den Kultfilm 'Casablanca'. Seit Kreimeyer weiß man nun: Blickkontakt kann gefährlich sein für die Lachmuskeln. Kreimeyer entkommt niemand, und das ist Vergnügen pur.

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Westdeutsche Zeitung, Sonntag, 17. April 2011

Podio: Wortwitz verschlägt dem Publikum die Sprache

Thomas Kreimeyer improvisiert im Podio zwei Stunden lang aus dem Stegreif.

KREFELD.Er ist ziemlich schlagfertig, groß, schlank und attraktiv. Er lässt Frauenherzen schneller schlagen und bringt das Zwerchfell zum Hüpfen. Kabarettist Thomas Kreimeyer ist soeben auf der Bühne des Wohnzimmertheaters Podio erschienen, da hört er auch schon das erste Getuschel im Publikum.

"Was flüstern Sie da?", will er wissen. "Belangloses", winkt die Zuschauerin ab. "Sie können doch nicht ins Theater gehen und dem Herren belangloses Zeug erzählen", beschwert sich Kreimeyer. Die kontert:"Das muss ich machen, sonst schlafft er ab!" Das schockiert den Stegreif-Wortakrobaten zusehends: "Ich bin seit eineinhalb Minuten auf der Bühne und da schlafft er schon ab?" Das Publikum haut es fast vom (roten) Stuhl.

Der rote Stuhl - gleichzeitig auch der Titel des Programms - hat nur Alibifunktion. Er ist handtellergroß und wird am Vorhang befestigt. Thomas Kreimeyer parliert mit dem Publikum und stellt Fragen, auf die er interessante und manchmal auch einsilbige Antworten erhält. Letztere werden sofort kommentiert: "In Ihrem Alter müssten Sie doch schon einen Fünf-Wort-Satz hinkriegen können."

Thomas Kreimeyer unterhält mit Wortwitz, viel Mimik und erstaunlich wenig Requisiten. es gibt eine Eieruhr, den "Timer", der nach exakt 50 Minuten die Pause einläutet.

Der Gewinner des "Goldenen Rottweiler Publikumspreis 2011" und der "Goldenen Gudrun 2010" hinterfragt, hakt nach, nimmt die Antworten aus dem Publikum aufs Korn, jedoch ohne bloßzustellen.

Von Frauen, die wachgerüttelt werden, aber "nicht oft genug", wie jemand aus der Sitzreihe zu wissen glaubt, ist da die Rede, ebenso von einem Herrn, der seit Ewigkeiten, also "seit ungefähr zwölf Inkarnationen", Polizist ist.

"Lust au Krefeld" fühlt sich an wie steigerungsfähige Vorfreude, findet eine Besucherin aus Bottrop. "Was macht man da?", fragt der Berliner Kabarettist. "Movie World", lautet die knappe Antwort. "Ist wie Babelsberg für Einsteiger."

Erstaunliches gibt eine Krefelderin preis, die aufs sonntägliche Frühstücksei verzichtet und sonntags am liebsten dem Nichtstun frönt. "Die Suche nach dem Nichts funktioniert offenbar auch ohne Lotussitz", stellt Kreimeyer fest. "Ich kann mich noch entwickeln", tönt es zurück. "Ihre Zukunft ist sehr verheißungsvoll", kontert Kreimeyer. Von Martina Bielen

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Soester Anzeiger, Dienstag, 24. Januar 2011

Roter Stuhl: Kabarett einmal ganz anders

Thomas Kreimeyer redete mit dem Publikum von einem Ort, den es gar nicht gibt

HERZFELD - Mit Akribie, Wortwitz und nimmermüdem Einsatz überzeugte Thomas Kreimeyer mit dem "Kabarett der rote Stuhl"auf dem Orthues'schen Saal. Ein Programm ohne Programm, unter dauernder Einbeziehung des Publikums ließ den Abend wie im Fluge vergehen. Das Erfolgsrezept? Ganz einfach. Der Protagonist legt den Begriff des Unterhalters völlig neu aus und sucht das Gespräch mit seinem Publikum. Direkte, aber niemals plump wirkende Ansprachen an Einzelpersonen, das regelrechte Zerpflücken der Antworten derselben in ihre Einzelheiten, führte zu mancher Absurdität, die hingebungsvoll belacht werden konnte, ohne dass sich der ursprüngliche Anwortgeber verletzt fühlen musste. Schon Kreimeyers Einführung in den Abend, als er hingebungsvoll über Berlin und die Provinz Lippetals parlierte, zeugte von brillantem Sinn für Humor. Wenn Kreimeyer bei der Anfahrt durch die Hochwasserseenplatte Lippetals ein Gefühl des Entführt-Werdens nicht vermeiden kann, und gesagt bekommt"Wir fahren nach Lippetal - aber das gibt's eigentlich gar nicht", kann man sich, als Lippetaler aus einem der Ortsteile ein Lächeln nicht verkneifen. Auch die akribischen Nachfragen, aus welchem Dorf der eine oder andere den käme, Kreimeyers daraus resultierenden Wortspielereien, seine Hintergedanken und teils mega-skurilen Schlussfolgerungen begeisterten ein ums andere mal. Egal ob das Thema Beruf, Ehe, oder sonst etwas war, Kreimeyer zeigte sich als Meister des Haarspaltens und hinterliess nach rund zwei Stunden humorigen Programms ein bestens amüsiertes Publikum. - gt

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Pyrmonter Nachrichten, Montag, 13. September 2010

Und was haben Sie heute so gemacht?

Klostersaal-Gäste tragen beim Auftritt von Thomas Kreimeyer selbst zu einem gelungenen Abend bei

Lügde (yt). Es war einmal etwas ganz anderes, womit die Lügder Kolpingsfamilie ihre zehnte Reihe von "Kultur im Kloster" eröffnete. "Denn wir wollen wieder einmal etwas wagen", erklärte Carsten Hormes vom Kulturbüro OWL zum Auftakt dem Publikum im Lügder Klostersaal.
Und es war etwas ganz anderes. Denn Thomas Kreimeyer kam nicht mit einem Programm auf die Bühne, sondern lediglich mit einem roten Stuhl. Und selbst diese rund zehn Zentimeter hohe Möblierung hatte eigentlich keinerlei tragende Rolle.

Kreimeyer legt den Begriff des Unterhalters neu aus: Er unterhielt sich mit seinen Gästen. "Was haben Sie heute gemacht?", "Wo wohnen Sie?", "Was machen Sie beruflich?". Die Antworten gaben ihm dann die Vorlagen für zwei Stunden, in denen das Publikum herzlich lachte, ohne dass Kreimeyer dabei seine Gesprächspartner der Lächerlichkeit preisgegeben hätte. Das Experiment zum Auftakt der Jubiläumsreihe war gelungen. (…)

Einen ersten Höhepunkt feierte indessen Thomas Kreimeyer, der den Osterräderlauf als Nordic Walking Lügder Ostereier interpretierte und eine Dame im Publikum das Absetzen ihrer Brille als Kränkung anlastete. "Wer wie ich arbeitet, möchte potentiell auch gesehen werden", meinte Kreimeyer.

Dass die Zwiegespräche zwischen Kreimeyer und den Gästen im Klostersaal nicht zu lockeren Plaudereinen hinführten, sondern den Nimbus des Abfragens nicht wirklich verließen, daran trug der ‚Talkmaster' selbst ein gutes Stück Schuld. Zeigte er sich doch als ein Meister des Haarspaltens - sehr zum Amüsement der Zuhörer.

"Wie haben Sie sich denn auf den Abend vorbereitet", fragte Kreimeyer einen Gast. "Ich will mich überraschen lassen", bekam er zur Antwort. "Was würde Sie denn jetzt überraschen?", hakt Kreimeyer nach. "Äh." Stille.

Aber Thomas Kreimeyer hatte ja seinen roten Stuhl dabei. "Wenn sich jemand intellektuell überfordert fühlt, möge er auf den roten Stuhl blicken und dabei eine Weile abschalten", war sein Rat zu Beginn der Veranstaltung, mit dem er das Bestimmungsobjekt gut sichtbar im Klostersaal platzierte.

Wie zweideutig die Aussage "Ich komm vom Hagen" sein kann, wurde der Dame auch erst hinterher klar: "Ich hatte eigentlich nach dem Ort gefragt, nicht nach Ihrem Freund."

Da Thomas Kreimeyer zwar die Antworten zerpflückte, nie aber die Antwortgeber, konnten alle lachen und sich nach knapp zwei Stunden über einen Abend freuen, zu dessen Gelingen sie selbst noch beigetragen hatten.

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LIPPISCHE LANDES-ZEITUNG NR. 213, MONTAG, 13. SEPTEMBER 2010

Charmante Plauderei reizt das Zwerchfell

Lügde. Ein Riesenspaß zum Auftakt der zehnten Reihe von „Kultur im Kloster“: Solist Thomas Kreimeyer kommt ganz charmant mit seinen etwa 80 Zuschauern ins Gespräch. Daraus entwickelt sich ein total witziger Abend.

Schon allein, wenn Kreimeyer nur die Antworten der Gäste auf seine Fragen nach Beruf, sportlichen Vorlieben oder „Was haben Sie heute gemacht?“ wiederholt, kribbelt das Zwerchfell. Seine Wiederholung und die witzigen, Grenzen des charmanten Plauderns nicht unterschreitenden Kommentare lassen den Zuhörer zwei Stunden lang den Alltag vergessen. Klar, dass auch immer ein wenig Schadenfreude dabei ist, wenn man nicht selbst in Kreimeyers „Falle“ gegangen ist.

Und der entkommt man nicht. Antwortet man dem für den Prix Pantheon nominierten Künstler nicht, sieht man in der Runde nicht gut aus – geht man auf ihn ein, haben alle etwas zu lachen. Aber immer auf einer Ebene, in der auch seine Dialogpartner mitlachen können. So erfährt der Saal von Nordic Walkern, Polizisten und Finanzbeamten einiges aus ihrem Berufsleben oder ihrer Art der Freizeitgestaltung. Überraschend, dass bei zahlreichen Gästen der Stausee in Schieder zu einem zentralen Anlaufpunkt geworden zu sein scheint. Ob nun für eine zweistündige Radtour von Lügde aus oder eine zweitägige Wanderung mit Übernachtung von Rinteln aus.

Höhepunkt ist Kreimeyers Unterhaltung mit einer Bad Pyrmonterin, mit der deren Bürgermeisterin scheinbar nicht sprechen mag. Kreimeyer kitzelt aus der Zuschauerin heraus, dass die Bürgermeisterin immer mit hoch in die Haare geschobener Sonnebrille unterwegs sei. „Wahrscheinlich sind das Sonnenkollektoren, die das Gehirn mit Strom versorgen“, entlockt er der Pyr monterin. Und er entgegnet darauf: „Und Sie wundern sich, dass die nicht mit ihnen sprechen möchte...“ (aga)

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Appenzeller Volksfreund, Mittwoch, 2. Juni 2010

Eine Ausserrhoder Kuh, die spinnt

Steh-Greif-Kabrettist Thomas Kreimeyer im 3Eidgenossen: Zwei Stunden Gelächter - Toni Dörig -

"Einmal den Kopf schütteln kostet 50 Franken, ein Gnadenschuss 40 Franken - Sie sind mir ja ein Herzchen" Das musste er sich anhören, der Umweltingenieur im Publikum. Und konterte so gut es ging. Am Freitagabend gastierte der Steh-Greif-Kabarettist Thomas Kreimeyer im 3Eidgenossen in Appenzell: sehr schlagfertig, sehr humorvoll. Und das Publikum dankte es mit zwei Stunden schallendem Gelächter.

Achtung Publikum, der Kreimeyer kommt!

Arg geknickt kam er zwar aus seinem niedrigen Garderobenzimmer, der groß gewachsene deutsche, tief gebückte Kabarettist. Im Türrahmen musste er den Kopf vorsichtig einziehen, aber allzu arg hat er sich dabei seinen edelsten Körperteil nicht angeschlagen. Die geistigen Reaktionen funktionierten nämlich immer noch prächtig, er entpuppte sich als sehr schlagfertig. Und das musste er auch sein, denn Kreimeyer ist jener Kabarettist, der das Improvisieren zum Programm gemacht hat. Er geht einfach mal so rein ins Publikum, steht ein bisschen rum, beginnt ein bisschen mit Smalltalk, beginnt mit dem Publikum zu quatschen, stellt der einen und dem anderen scheinbar harmlose Fragen, bietet provokative Antworten, bohrt weiter, bis die ganze Plauderei zum bühnenreifen Pointen-Pingpong ausartet. Kurz und gut, Kreimeyers Programm ist so witzig wie die Witze, die ihm in der verbalen Auseinandersetzung mit seinem Publikum immer wieder einfallen. Steh-Greif-Kabarett nennt er das, was er auf der Bühne macht.

"Das will kein Mann hören"

Gleich zu Beginn dirigiert er die Zuschauer im kleinen, aber verwinkelten Lokal 3Eidgenossen herum. "Setzen Sie sich doch da nach vorne, Sie können mich ja gar nicht sehen!" Diese Idee scheint der Zuschauerin gar nicht zu gefallen: "Es ist schon gut so!" - "Sie sehen mich nicht. Und das gefällt Ihnen? Olala, das passt keinem Mann, das will er nicht hören!" Und wendet sich an ihren Lebenspartner: "Macht sie das bei Ihnen auch so: Egal, wenn ich dich nicht sehe! Funktioniert das, haben Sie sich daran gewöhnt?" Da hat Kreimeyer schon weitaus mehr Freude an der Frau, die mit tipptopp! Antwortet. Das stellt auf. Vorbehalte muss sich jedoch der Französischlehrer anhören, der Pädagogik und Filmwissenschaft studiert hat. Nicht, weil man neben diesen beiden genannten Hobbies auch noch einen Beruf braucht, von dem man wirklich leben kann. Kreimeyer nahm die Disputierfreude der Franzosen auf die Schippe. Es war ein Genuss, wie er, unverständlich vor sich hinbrummelnd, die tiefsinnigsten Fragen mit einem tiefsinnigen "pas de probléme!" ad acta legte. Bei dem kam eine große Kunst Kreimeyers zum Tragen: Er vergisst nichts! Und wendet das Gehörte zu den möglichsten und unmöglichsten Zeitpunkten wieder an: So schnell mal zwischendurch kommentierte er mit ‚tipptopp' oder ‚pas de Probléme'. Und löste mit diesem Assoziationsgeflecht gewaltiges Gelächter aus.

Der rote Stuhl als Notbremse

Kreimeyer vergisst nichts! Auch deshalb gilt: Achtung Publikum, der Kreimeyer kommt. Gesagt ist gesagt. Und ums Sagen kommt fast keiner vorbei. Der Kabarettist bohrt die Leute an, er kitzelt sie aus. Da könnte man sich doch einen Saal voller ängstlichen sich duckender Zuschauer vorstellen: Hoffentlich komme ich nicht an die Reihe, Spaß macht es nur, wenn er die anderen veralbert! Dem ist aber nicht so! Dafür hat Kreimeyer viel zu viel Fingerspitzengefühl. Er stellt nicht bloß, er bringt zum Lachen. Und stellt ganz zu Beginn des Abends seine ‚Sicherheitsleine' vor: einen klitzekleinen roten Stuhl, nach dem er sein Programm benannt hat. Und diesen roten Stuhl kann man anschauen, wenn man nicht antworten will. Das hat aber niemand gemacht, das Publikum hat sich viel zu sehr amüsiert. Ebenbürtig zu kontern, das versuchten die meisten, angesprochen wurden! Es war ein gutes Publikum, wie Kreimeyer am Schluss feststellte. Das hatte sicher mit der Zusammensetzung, aber sicher auch mit der Kleinräumigkeit zu tun, die den Kontakt vom Künstler zum Publikum zwangsläufig verstärkte. Diese Feststellung sagt aber auch einiges aus über das Risiko, das der Kabarettist mit seinem Konzept eingeht: Er ist angewiesen auf Leute, die offen sind und spontan mitmachen.

"Als ich ihn noch geliebt habe"

Und das fand Kreimeyer im 3Eidgenossen: Zum Beispiel jenen Umweltingenieur, der die Tiere schützt, indem er sie tötet, das eingangs erwähnte Herzchen, das für einen Gnadenschuss zehn Franken weniger verlangt als für einmal den Kopf schütteln. Oder jener Tierarzt, der in Ausserrhoden - "Warum in Ausserrhoden?" - eine Kuh behandelte, die spinnt. "Ja, warum spinnt sie denn, die Kuh?" - "Zuckermangel!", belehrt der Fachmann! "Ja, kriegt die denn keine Schokolade?" Oder jene Frau, die ihren Freund trotz seines blutrünstigen Berufes heiratete, "weil sie ihn damals noch geliebt hat!" Olala, wenn das zu Hause keinen Ärger gibt! Doch was sagt der Franzose dazu: "Pas de probléme!" Oder die andere, die ein Mietmaul geheiratet hat: "So nennt man Anwälte!" - "Wo?" - "In Deutschland!" Worauf der deutsche Kabarettist kontert: "Ich möchte nicht wissen, wo Sie sich bei uns herumgetrieben haben!" Aber das alles ist und bleibt irgendwie ‚tipptopp'. Oder dann der ‚Angestellte im Transportwesen'. Der sich dann als Pilot für Kranke und Verletzte herausstellte. "Ich fliege Krankenwagen, einen Ambulanzjet". Hier ist der Fall wiederum sonnenklar: "Pas de probléme".

Zwei Zugaben herbeigeklatscht

Zwei Stunden lang einfach so plaudern, das ist lang. Wenn es sich aber, wie am Freitagabend, zum amüsanten Feuerwerk entwickelt, vergeht die Zeit unglaublich schnell. Deshalb klatschten ‚die zahlenden Gesprächspartner noch zwei Zugaben herbei.

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Ostschweizer Kulturmagazin SAITEN 5/10

So heiss wie rot, dieser Stuhl

Wozu gehen Sie ins Theater? Um unterhalten zu werden? Um Denkanstösse zu bekommen? Um einen gemütlichen Abend zu verbringen? Eines steht jedenfalls fest: sicher nicht mit der Absicht, selbst Teil des Spiels zu werden. Doch genau das passiert bei Thomas Kreimeyers Steh-Greif-Kabarett "der rote Stuhl".

Das Konzept scheint einfach: Während zweimal 45 Minuten verwickelt Kreimeyer das Publikum in ein Gespräch. Einzige Utensilien dabei sind eine Eieruhr, die den zeitlichen Rahmen markiert, und der namensgebende rote Stuhl, der zwar immer auf der Bühne dabei ist, aber nie eine aktive Rolle einnimmt. Aus der Antwort auf eine harmlose Frage wie "was haben Sie heute gemacht?" entwickelt der Berliner eine Geschichte, fragt nach, verknüpft sie mit den Antworten anderer Gäste. So entstehen komische Situationen. "Es ist die Spontaneität der Antworten und die Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann und die die Leute zum Lachen bringen. Oftmals entstehen Witze, die sehr berühren, weil sie so aus dem Bauch kommen", ergründet Kreimeyer sein Programm, dass genau darum keines ist.

Was als Improvisationstheater 1992 begann, ist zum Erfolgsprojekt geworden und seit acht Jahren auf der Bühne. Kreimeyer ist dieses Jahr für den Prix Pantheon nominiert. "Dieser Erfolg beruht sicher auch darauf, dass ich etwas praktiziere, was im Alltag immer mehr verloren geht: die Angesicht-zu-Angesicht-Kommunikation. Theater ist meist strukturiert, abstrakt, perfekt." Genau in der Unstrukturiertheit seines Auftrittes liegt die Herausforderung für Kreimeyer. Es lässt sich nicht voraussehen, wie sich das Gespräch entwickeln wird und welche Themen angesprochen werden.

Damit er sich zu vielem eine Meinung bilden kann, zieht er sich gerne zurück, liest viel und beschäftigt sich mit Nachrichten aller Art - kurz, er hält sich fit im Umgang mit alltäglichen Themen.

Auf Initiative von Edith Adam-Steiner gastiert Kreimeyer am 25. Mai in der Kellerbühne St.Gallen. Seine Auftritte faszinierten Adam-Steiner so sehr, dass sie ihn auf Eigeninitiative nach St.Gallen holte. "Kreimeyer ist unglaublich präsent, hat Freude an der Sprache und versteht es, durch seine Gespräche Bilder hervorzurufen, die dem Zuschauer bewusst machen, welche Komik sich hinter unseren Unterhaltungen verbirgt." Trotz der teilweise persönlichen Antworten macht Kreimeyer nie jemanden lächerlich. Eher wird das Publikum zusammengeschweisst, sodass sich in der Pause rege Gespräche entwickeln können. Adam-Steiner ist gespannt, wie sich das St. Galler Publikum geben wird.

Kreimeyer selbst spielt nicht zum ersten Mal in der Schweiz. Vor einer allfälligen Sprachbarriere fürchtet sich der Berliner nicht. "Es geht um die Verständigung, nicht um die Sprache selbst. Aus den Sprachproblemen ergeben sich allenfalls lustige Situationen, es soll aber nicht im Mittelpunkt stehen." Denn das Grundanliegen seines Kabaretts ist: gepflegte Kommunikation zur gegenseitigen Verständigung. (Kathrin Haselbach)

Kellerbühne St.Gallen. Dienstag, 25. Mai, 20 Uhr 3 Ei dgenossen Apenzell. Freitag, 28. Mai, 20 Uhr Casinotheater Winterthur. Samstag, 29. Mai, 20 Uhr

Liechtensteiner Vaterland, Montag, 1. Februar 2010

Wenn das Publikum mitspielt

Es hätte am vergangenen Freitag im Schlösslekeller ja auch sein können, das Thomas Kreimeyer, der Kabarettist aus Berlin, auf ein abweisendes, auf keinen Fall mitgehendes Publikum treffen würde, Aber dies war keineswegs der Fall.

Nur der in der Voranzeige angekündigte rote Stuhl stand nicht wie erwartet auf der leeren Bühne, sondern kam als Winzling in der Hand des schlanken, langen Herrn im grauen Zwirn aus der Garderobe, wurde von ihm an die Wand gepappt und - wie Thomas erklärte - als visueller Fokus beleuchtet.

Sketche über Sketche

Nach dieser leicht sonderbaren Einleitung, die vom Publikum, das für jeden Scherz bereit war, belacht wurde, ging ein kabarettistisches Feuerwerk mit familiärem Touch auf Männlein und Weiblein nieder. Kreimeyer stellte simple Fragen an eine Zielperson, die brav und simpel beantwortet wurde. Da wurde nach dem Beruf gefragt, woher man denn komme, ob man gerne Liechtensteiner sein würde und wie man das erreichen könnte. Hatte er einen oder eine aus dem Publikum beim Wickel, dann wurde weiter insistiert, die oft notgedrungen sparsame Antwort zum kabarettistischen Sketch ausgewalzt. So gab es einen Mathelehrer, und schon schlossen sich Erlebnisse aus Kreimeyers Jugend, sein gestörtes Verhältnis zu Textaufgaben und seine Abneigung zur Mathematik, dargestellt mit schauspielerischem Können und urkomischer Mimik an. Der Sportlehrer im Publikum wurde nach seinen Methoden gefragt, ob er denn auch, wie Thomas in seiner Schulzeit, von seinen Schülern den Hopser Hüpfschritt verlangen würde? Er selbst habe es damals abgelehnt, in dieser Gangart die Turnhalle zu umrunden mit der Begründung, er habe die teure Schule nicht besucht, um sich zum Zirkuspferd ausbilden zu lassen. Auch Ehepaare aus verschiedenen Regionen oder gar Ländern bekamen bohrende Fragen zu spüren. Thomas Kreimeyer nahm alle Antworten ernst, verdrehte sie aber genüsslich, bis etwas urkomisches herauskam, erntete brüllendes Gelächter über sein Debüt als Ballettratte, er servierte Pointen wie Tortenstücke und brachte mit spielerischer Leidenschaft das Publikum dazu, auch über sich selbst zu lachen.

Grosser Applaus

Nachdem Klingeln der Eieruhr, die der Kabarettist immer bei sich trug, war das Ende des heiteren Abends angesagt, doch das Publikum wollte einfach noch nicht nach Hause gehen, klatschte den Künstler wieder herbei, und so gab es, wie bei einem Konzert, eine gehörige Zugabe, die wiederum urkomische Geschichten preisgab. Mehr Volksnähe, oder wie man das nennt, könnte es beim besten Willen nicht geben. Doch der Abend war dann endgültig zu Ende, und mit lächelnden Gesichtern, vielleicht etwas schadenfroh grinsend, weil man selbst nicht drangekommen war, gingen alle durch die eisige Winternacht dahin, wo sie zu Hause waren. (ct)

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Volksblatt Liechtenstein, 1.2.2010

Brauchen Sie den roten Stuhl?

VADUZ - Kabarett der etwas anderen Art. Wer glaubte, sich einfach zurücklehnen und unterhalten lassen zu können, wurde von Thomas Kreimeyer im Schlösslekeller eines Besseren belehrt.

«In ihrem Alter müssten Sie eigentlich schon einen Drei-Worte-Satz hinkriegen», beurteilte der Steh-greif-Kabarettist gleich zu Beginn eine Antwort aus dem Publikum. Das Programm «Der rote Stuhl», von Thomas Kreimeyer, lebt von der Interaktion mit den Zuschauern. Was anfänglich befremdlich wirkte, entwickelte sich schnell zum Spass, an dem sich die meisten gerne beteiligten. Von charmant bis rotzfrech triezt Thomas Kreimeyer seine zahlende Gäste, greift Aussagen auf und wirft leicht verdreht zurück - ausweichen ist unmöglich, doch wirklich böse sein kann ihm keiner. «Woran denken Sie, wenn Sie intelligent wirken wollen», fragt Kreimeyer, der es verbietet, fotografiert zu werden, sofern er nicht gerade etwas Gescheites sagt. Als Mann in seinem Alter sei er da eben sensibel. Ein Luxus, den sich sein Publikum nur in Massen leisten darf.

Die Wurzel aus Milch Vom «klassischen Deutsch-Lehrerinnen-Habitus» bis hin zu Männern, die das gewisse Etwas haben, wenn sie die Brille abnehmen und «brill-o-philen Frauen», Thomas Kreimeyer fällt zu jedem Thema eine Spitze ein. Auch sollte man bei ihm auf den Syntax und semantischen Gehalt der Aussagen achten, es sei denn, man möchte belehrt werden. Und das von einem Menschen, der die Note «befriedigend» als höchstes Mass erachtet. «Es ist doch erbauend, einen Lehrer in diesen Zustand zu bringen», meint der Künstler, der sich ein hohes Mass an kreativer Potenz anmasst und mit der teilweise geis-tigen Unzulänglichkeit seines Publikums rechnet. Doch dafür ist ja der rote Stuhl da. Ein Miniaturstühlchen, das beleuchtet an der Wand hängt und nach Aussage seines Besitzers eigentlich keine wirkliche Bedeutung hat.Es dient lediglich der Betrachtung bei intellektueller Überforderung und bietet eine kleine Auszeit vor den Tiraden Kreimeyers.

Unterhaltender Unterhalter Ein klares Konzept hat der Kabarettist nicht, wenn er die Bühne betritt. «Kreimeyer nimmt die Zuschauer beim Wort, nimmt das Leben wörtlich», wird er im Folder zu seinem Programm beschrieben. Was dem Publikum an einem Abend mit ihm geboten wird, entscheidet dieses selbst. Wortgewandt und interessiert nimmt der Kabarettist jede Information auf und verarbeitet sie in Windeseile in eine treffende, humoristische Gegenantwort. Vergessen tut er nichts. Während der gesamten Zeit seines, durch eine Eieruhr peinlich genau getimten Auftritts, schafft es Kreimeyer den Bogen zu spannen und mit gekonnten Nachfragen das Publikum zu den skurrillsten Aussagen zu bringen. Kein Abend für all zu zart Beseitete, aber ein wahrer Spass mit Selbsterkennungswert für alle, die über sich selbst lachen können. Marie Frick

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2009 Seitenanfang

Peiner Allgemeine, 4.12.2009

"Das Schwein aus der Decke schlagen"

Unterhaltung pur: Thomas Kreimeyer begeistert mit Stehgreif-Kabarett im "teatr dach"

Wendeburg-Meerdorf. Beamtenstatus für Wühlmäuse, achtelstämmiges Kleinobst und Wochenendhäuser in der Südheide: Erstaunlich, welche komischen Wendungen ein Theaterabend nehmen kann, wenn ein Stehgreif_Kabarettist wie Thomas Kreimeyer auf der Bühne des ausverkauften Meerdorfer "teatr dachs" steht.

Hartnäckiges Nachfragen beim Zuschauer ist Kreimeyers ünterhaltungskonzept. Und wenn der Wahlberliner einen Theatergast ins Visier genommen hat, lässt er so schnell nicht wieder von ihm ab. Das kommt nicht immer gut an, fördert jedoch meist etwas Intereisantes und Komisches zu Tage. Da gibt es zum Beispiel beschalte Zuschauer mit Wärmedefizit, die vom 8000er ins Peiner Flachland abgestiegen sind, Jäger und Sammler aus dem Sauerland, die für alle Nachbarn SaIz und Zucker bereithalten, Hobbyjäger, die "das Wildschwein aus der Decke schlagen" (das heißt, demTier das Fell über die Ohren ziehen) und sportlich Interessierte, die wahlweise mit Trainingshose oder nackt vor dem Fernseher sitzen - je nach Sportart. Aus jeder Antwort, egal wie kurZ oder lang, spinnt Kreimeyer Unterhaltung und spottet mit hochgezogener Augenbraue: "Sie müssten in ihrem Alter doch schon in der Lage sein, einen Fünfwortsatz zu bilden."

Wenn es dem Publikum zu viel wird. ist da der winzige rote Stuhl. "Er ist zwar dabei", erklärt der Stehgreif-Kabarettist, "hat aber nicht wirklich eine Bedeutung." Doch es hat sich bewährt ihn dabei zu haben: ,"Manche Zuschauer fühlen sich unter Umständen im Laufe des Abends intelIektuell überfordert.Wenn es Ihnen auch so geht, schauen Sie am besten zum Stuhl und machen eine kleine Pause.

Ein Künstler braucht sein Publikum auf kaum jemanden trifft das mehr zu, a1s auf Thomas Kreimeyer. Und das Publikum in Meerdorf spielt mit. Am Ende jedoch wird der Spieß umgedreht und die Zuschauer stellen die Fragen. Das fällt Kreimeyer erst schwer, dann verrät er doch einiges über sich: Der studierte Soziologe und Psychologe machte in Indien eine Ausbildung zum Yoga-Lehrer, lernte an der Clownsschule von Philip Gaulier in Paris und erkannte in einem Berliner Interaktionstheater seine Berufung zum Stehgreif-Kabarett. Allerdings ist das Eis extrem dünn. "Der Trick daran ist, ohne Sicherheiten auf die Bühne zu gehen", erklärt Kreimeyer und verabschiedet sich vom Publikum mit den Worten: "Sie waren nicht schlecht heute Abend! " Von Mirja Weber

Siegessäule Online, Nov. 2009

Die lustigste Unterhaltung, seit es Kommunikation gibt

SIS 20.11. - Wer zu ihm in die Vorstellung geht muss damit rechnen, selbst Teil derselben zu werden. Thomas Kreimeyer macht, wie er es nennt, Steh-Greif-Kabarett: Er steht auf der Bühne, greift einzelne Äußerungen seines Gegenübers auf und macht daraus Kabarett. Heraus kommen eigentlich nur Gespräche, allerdings in äußerst amüsanter und unterhaltsamer Form. Der gelernte Soziologe hat sich schon immer gern mit menschlicher Kommunikation beschäftigt, seit etwa acht Jahren steht er fast täglich mit seinem "Kabaratt der rote Stuhl" auf der Bühne.

Herr Kreimeyer, was erwartet mich, wenn ich zu Ihnen ins Theater komme?

Zunächst einmal gehe ich auf die Bühne mit dem Ziel, mich mit den Zuschauern zu unterhalten. Es geht um Kommunikation und Interaktion. Ich trete in Kontakt mit den Menschen dort unten, und hebe diese Distanz zwischen Bühne und Publikum auf, indem ich sie anspreche. Und dann nehme ich eigentlich das, was sie sagen, und lasse es einmal durch mein Hirn laufen, ganz platt formuliert. Manchmal überhöhe ich die Dinge, manchmal ziehe ich Äußerungen zusammen, manchmal verkürze ich oder verschiebe das Gesagte im Kontext dessen, wie sie gesagt worden sind. Dadurch entstehen teilweise sehr lustige Geschichten.

Wodurch entsteht der Witz?

Neulich war ich in der Schweiz. Da ging es zum Beispiel um das Thema Tierliebe. Ich war mit einer Frau im Gespräch und irgendwann sind wir bei Pferden gelandet und ich fragte, ob sie Pferde möge. Die Art, wie sie das verneinte, hatte so etwas Dramatisches, dass ich gefragt habe, ob sie Angst vor Pferden hat. Als Schweizerin sagte sie: "Nein, ich hab keine Angst vor Pferden, die lasse ich nicht so auf mich drauf." Das ist natürlich ein unglaublich witziges Bild - 450 Leute in dem Theater haben gebrüllt vor Lachen. Für die Schweizer ist es noch mal ein anderer Witz, die wissen natürlich, dass man das in Schweizer Deutsch so sagt, dass man es aber nicht genau so ins Hochdeutsche transportiert. Ich hab natürlich ein riesen Ding draus gemacht und hab gesagt: "Das scheint mir ja ein großer kultureller Unterschied zu sein. Bei uns in Deutschland ist es fast umgekehrt, wir steigen praktisch aufs Pferd, kann man sagen." Dann kriegt das so was Harmloses, weil ich es einfach wörtlich nehme. So funktioniert oft der Witz. Aber der Witz entsteht oft in der Situation selbst. Ich habe Abende, nicht selten, dass die Leute so sehr lachen, dass sie raus müssen. Wenn man das am nächsten Tag erzählt, ist es oft nicht so komisch, da gehört einfach die Spannung in der Situation selbst dazu.

Kann es passieren, dass Sie einen wunden Punkt treffen oder jemand etwas übel nimmt?

Das darf nicht passieren. Das liegt natürlich an mir, wie ich es schaffe, Kontakt aufzunehmen. Als ich angefangen habe das zu machen, ist es sicher auch passiert, weil ich mich im Ton vergriffen habe oder unsicher war im Auswählen der Gesprächspartner. Ich mache das jetzt seit acht Jahren, jetzt passiert mir das nicht mehr. Wenn ich merke, dass es eine Irritation oder so gibt, dann trete ich die Bremse, versuche abzulenken oder ziehe eine andere Linie.

Gibt es auch ein Publikum, das Ihnen weniger liegt?

Es ist natürlich nicht jeder Abend gleich. Hier in Berlin bin ich relativ etabliert und da ist das Publikum gut zur Hälfte mit Menschen bestückt, die mich schon kennen. Wenn ich woanders bin, haben die Leute oft keine Ahnung, was auf sie zukommt, da muss ich natürlich ganz anders anfangen. Nach der Pause gibt es dann oft einen Turning-Point, weil die Leute dann miteinander reden können. Oftmals gehen wildfremde Menschen aufeinander zu, weil sie plötzlich sichtbar geworden sind und sich verbunden fühlen. In der zweiten Hälfte ist dann eine Stimmung wie beim Klassenausflug, plötzlich ist das Publikum so eine eingeschworene Truppe.

Interview: Christina Reinthal

Thomas Kreimeyer tritt regelmäßig in der Ufa-Fabrik und in der Scheinbar auf.
Vom 24.-29. November ist Thomas Kreimeyer im Quatsch Comedy Club zu sehen. Wir verlosen 2 x 2 Freikarten für die Vorstellung am 29.11.!

Badische Zeitung, 18. Nov. 2009

Das Publikum wird zum Trampolin

Spöttisch aber nie verletzend: Thomas Kreimeyer im Lammsaal | Foto: Merkle

Thomas Kreimeyer im Lammsaal ETTENHEIM (sm). Bei Hirschragout niemanden zum Hirsch machen, dennoch nur von Antworten aus dem Publikum zehren um einen Abend komödiantisches Geplauder zu produzieren, das ist Stehgreifkabarett par excellence. Dem Berliner Kabarettisten Thomas Kreimeyer gelang das am Sonntagabend in der Reihe Kunst und Kultur im Gasthaus Lamm mit unglaublicher Spontanität, hintersinnigem Witz und großer Menschenkenntnis.

Thomas Kreimeyer ist ein sich unterhaltender Unterhalter. Sein Programm trägt den Titel "Der rote Stuhl". Einen roten Stuhl gibt es tatsächlich, ein Plastiksessel aus dem Puppenhaus. Den heftet Kreimeyer an den Bühnenvorhang, eine Bedeutung hat er aber nicht. "Falls man sich intellektuell überfordert fühlt, kann er darauf schauen und eine kleine Auszeit nehmen", sagt Kreimeyer zu Beginn. Dann braucht er aber weder Stuhl noch Bühne. Seine Bühne sind die Publikumsreihen, durch die er plaudernd zu schleichen beginnt.

Sein Programm ist das Publikum. "Was haben Sie heute gemacht?", fragt Kreimeyer eine Dame an einem hinteren der gut besetzten Tische. "Gelesen", lautet die Antwort. "Was denn?", hakt Kreimeyer nach. "Das will ich nicht sagen", sagt die Dame. Da ist's passiert. Kreimeyer hat einen Impuls für sein Kabarett: Was um alles in der Welt wird in Ettenheim sonntags gelesen, über das man nicht sprechen will? Seine Überlegungen schweifen ab. Der Wortschwall des Berliners wirkt wie ein vorbereitetes Kabarettprogramm, aber genau das ist es nicht, mit dieser Antwort konnte er nicht rechnen. Kreimeyer macht den Lammsaal zum Wohnzimmer, plaudert familiär, aber auch zum Beichtstuhl, entlockt dem Publikum skurrile Alltagsdetails. So verrät die Dame am Ende doch, die Lektüre war ein Versandhauskatalog. Im Gespräch mit ihrer Sitznachbarin erfährt Kreimeyer dann, dass diese nie aus Katalogen bestellt, weil sie "zu faul" dazu sei. Das sei sie ganz allgemein, erzählt sie freimütig, manchmal sei sie sogar morgens zu faul um sich anzuziehen. "Was machen Sie beruflich?", will da Kreimeyer wissen. Die Antwort lässt einige im Saal fast von den Stühlen kippen: Hausfrau.

Billige Comedy würde diese Steilvorlage nutzen und abgedroschene Hausfrauenklischees bemühen. Aber das ist Kreimeyers Sache nicht. Ebenso wie er niemandem zum Hirsch macht. Wenn's bisschen peinlich wird, dann liegt's an der Freimütigkeit des Publikums. Er spielt den Ball immer wieder ins Publikum zurück, gibt mal charmant ab und gut, mal kickt er auch. Aber nie so, dass man den Ball nicht noch elegant fangen könnte.

Natürlich wird auch Ettenheim Thema. Mit zärtlicher Ironie streichelt Kreimeyer den Provinzstolz, die schöne Altstadt und die kleinen Läden. Ach ja: "Haben Sie den Eierschalenöffner im Schaufenster des Haushaltswarengeschäftes für 19,50 gesehen?", fragt Kreimeyer. "Den hab' ich gekauft", kommt prompt eine Antwort. Funktionsweise und Sinn und Zweck eines Eierschalenöffners wird Thema. Eine zweite Käuferin offenbart sich: "Das sorgt für eine gerade Sollbruchstelle." Kreimeyer ist bass erstaunt, dass hier schon das Frühstücksei mit Sollbruchstelle gehandhabt wird, "dabei sieht hier alles so harmlos aus."

Das sagt er öfters an diesem Abend. Ganz so harmlos sind die Ettenheimer nämlich nicht. Kreimeyer hat auch ein feines Gespür dafür, mit wem er welche Scherze wie weit treiben kann, ohne Angst haben zu müssen, dass ihm einer der Gäste nach der Schau am Auto auflauert. Immer trifft er das richtige Maß, selbst wenn er nach der Marke der Unterhose fragt. Da hilft ihm wohl sein Diplom in Soziologie, die starke Mimik wie die öfters zu sehende, hoch in die Stirn gezogene Augenbraue hat er wohl in der Clowns-Schule von Philip Gaulier in Paris gelernt.

Apropos Hirsch: Hirschragout war der Hauptgang aus der Küche von Alexander Baral, denn wie immer in der Reihe gab es ein leckeres Dreigangmenü. Lamm-Chefin Ines Baral nutzte den Abend, um sich beim Publikum für die Treue übers Jahr hinweg herzlich zu bedanken. Denn es war die letzte Schau der Reihe in diesem Jahr.

Allerdings wird es im kommenden Jahr weiter gehen. Und vom 4. bis 13. Dezember gibt es ja noch den Höhepunkt: Das Rohanvarieté mit täglichen Shows.

Autor: sm

Der Freischütz, Muri (Schweiz), 13. Nov. 2009

Wie der lustvolle Umgang mit der Ratlosigkeit durch menschliche Kontakte seine Form fand

Der Unterhalter Thomas Kreimeyer war im Cabarena in Muri zu Gast Thomas Kreimeyer nahm auch in Muri das Publikum beim Wort und gestaltete mit ihm zusammen ein abendfüllendes Programm

(tk) Mehr aus dem Leben gegriffen geht nicht. Thomas Kreimeyer ist nicht der Mann, der mit seinen Ideen und sprachlichen Kreationen einen Cabaretabend als Solist bestreiten würde. Seine Arbeit fusst auf dem Prinzip des Dialogs. Er ist ein sich unterhaltender Unterhalter, kommt mit den Leuten ins Gespräch, die Leute kommen mit ihm ins Gespräch, und daraus entsteht Unterhaltung. Thomas Kreimeyer nimmt das Publikum beimWort und gestaltet mit den Antworten - so war's jedenfalls im Murianer Cabarena - einen fast zweieinhalb Stunden dauernden Abend.

Thomas Kreimeyer holt die Leute ab, wo sie sitzen. "Welche Automarke fahren Sie?" Und auf dieAntworten, die da vom Audi Q5 über den Subaru bis zum "Auto aus Bayern" reichen, erzählt er jene kleine Geschichte, wie er von einem Veranstalter mit dem Maserati am Flughafen abgeholt wurde. Wer nicht vorher einen Yoga-Kurs absolviert habe, werde kaum eine Chance haben, sich in diesenWagen zu zwängen. Seine Feststellung, er schätze imAuto eigentlich eine aufrechte Haltung, habe der Fahrer denn auch mit säuerlicher Miene quittiert. Und erst recht, als er ergänzte, neben ihm würden wohl vor allem kleine Mädchen mitfahren. Thomas Kreimeyer nimmt Antworten aus dem Publikum auf, erzählt von seinen Lebenserfahrungen oder spinnt daraus eine Geschichte und führt sie zur nächsten Pointe. An einem einzigen Kreimeyer- Abend können die Zuschauer vom Lustspiel übers Drama bis zum Cabaret alles erleben.

Die Diskussion der Gesellschaft als Spiel auf der Bühne hat es in unterschiedlicher Ausprägung immer gegeben. Thomas Kreimeyer widmet sich ihr auf neue Weise. Er weiss, dass die Mittel, die dabei eingesetzt werden, zeitgemäss sein müssen. Und zeitgemäss bedeutet für den Berliner vor allem, zwischen den Menschen - eine teilweise verloren gegangene - Kommunikation und Interaktion zu beleben.

Die Ursprünge seines Schaffens, das Thomas Kreimeyer präsentiert, dürfte nach seiner eigenen Einschätzung in der frühen Kindheit zu suchen sein. Bei seiner Geburt hätten sich seine Geschwister auf einen neuen Spielgefährten eingestellt und ihn mit hölzernen Bauklötzen begrüsst, ist auf seiner persönlichen Website zu lesen. Mit diesen allerdings habe er nichts anzufangen gewusst. Das sei der Anfang seiner Ratlosigkeit gewesen. Ratlosigkeit habe auch sein weiteres Leben geprägt. Mit seiner Diplomarbeit im Fach Soziologie Mitte der achtziger Jahre sei dann seine Ratlosigkeit akademisch abgesegnet worden. Nach einer Clownschule und Theaterengagements, die er auf der Suche nach den (Blick-)Kontakten durchwanderte, gründete Thomas Kreimeyer Ende der neunziger Jahren schliesslich sein eigenes "Kabarett der rote Stuhl". Der lustvolle Umgang mit der Ratlosigkeit fand so durch (Blick-)Kontakte damit seine Form.

Auf die Antworten aus dem Publikum zu unterschiedlichsten Fragen lässt Thomas Kreimeyer eine Anschlussfrage folgen oder er kommentiert Äusserungen mit Ironie. Vor allem delektiert er sich an den in schriftdeutscher Sprache teils unbeholfen formulierten Antworten. Als eine Lehrerin auf die Frage "Was machen Sie beruflich?" mit "Ich gebe Schule" antwortet, will er prompt wissen, wem sie ihre Schule denn gebe bzw. wer die Schule bekomme. Hätte sie mit "Ich unterrichte" geantwortet, wäre ihm der Nährboden für sarkastische Äusserungen entzogen gewesen. Und so tappt das Publikum Mal für Mal in die von ihm gestellten Fallen. Und schnappen sie zu, reagiert er blitzschnell mit einer Stegreifbemerkung, welche ihn von Zuhörer zu Zuhörer, vonThema zuThema führt. Auf dieVerneinung einer jungen Frau auf die Frage, ob sie reite, meint er: "Mich als Pferd würde es freuen, wenn Sie kämen."

Thomas Kreimeyers Programm war für das Cabarena und sein Publikum eine absolute Neuheit. Wer unvorbereitet und in der Hoffnung kam, eineinhalb Stunden Unterhaltung und Gags konsumieren zu können, erlag einem Irrtum. Man musste jederzeit darauf gefasst sein, selbst in die Handlung einbezogen, mitgestaltender Teil einer abendfüllenden Produktion zu werden. So wird denn der eine oder andere am Schluss die Bez-Aula verlassen haben in der Überzeugung, dass ihm im Prinzip doch ein Teil des Erlöses aus dem Eintrittspreis zustände.

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Berliner Tagesspiegel, Ticket, 12. Febr. 2009

... tritt als Ich-Darsteller auf

Thomas Kreimeyer ist Steh-Greif-Kabarettist. 'Er kam aus Hannover über München, Indien, Kanada, Paris und Hamburg nach Berlin, um hier sein interaktives "Kabarett der rote Stuhl" zu gründen. Der Ex-Soziologe pendelt zwischen zwei Welten. Genauer gesagt, zwischen Auftritten in der Schweiz und hier in Berlin. Nächste Termine sind: Sonntag (14.2., 21 Uhr) im Theater Engelbrot, Alt-Moabit 48, und vom 26.2. bis 1.3. im Quatsch Comedy Club.

2008 Seitenanfang

Braunschweiger Zeitung, 18. Nov. 2008

"Das Leben ist hart - aber in Sickte härter"

Berliner Kabarettist Thomas Kreimeyer im Dialog mit seinem Publikum im Herrenhaus. Thomas Kreimeyer ist erleichtert. Derweil man sich in der Hauptstadt noch mit der Weltwirtschaftskrise befasst, die Kanzlerin Weltpolitik macht, ist der Abschwung in Braunschweig, laut der Schlagzeile der BZ vom Tage, schon durch. Schnell wie ein ICE, nur mit kurzem Stopp, rauschte die Krise durch die Braunschweiger Region. Doch wie sieht es in Sickte aus? Thomas Kreimeyer, Berliner Kabarettist, führt den Dialog mit dem Publikum. Er stellt Fragen, auf die er wahrlich verblüffende Antworten erhält. Die Antworten sind der Spielball für sein Kabarettprogramm. Das "Kabarett der rote Stuhl", von Thomas Kreimeyer entwickelt, ist Stehgreifkabarett par excellence. Die Gäste werden zu Mitspielern.

Auf brillante Weise findet der Kabarettist Zugang zum Publikum. Dieses öffnet sich bereitwillig, macht mit und lacht Tränen. Der gebürtige Hannoveraner stellt niemanden bloß. Im Gegenteil: Themen, die auf der Seele zu brennen scheinen, werden im Gespräch messerschaf analysiert. Er versteht sein Handwerk und bringt die Sachlage auf den Punkt. Das Publikum profitiert davon, ist sichtlich beglückt von neuen Erkenntnissen und Sichtweisen. Die Samtgemeinde Sickte wird zum Thema - die Struktur, die Gemeinden, die Ortsteile. Wer "regiert" wo? Hoch interessant für den Wahlberliner, die Sache mit den Bürgermeistern. Insgesamt sechs an der Zahl, da kann man schon den Überblick verlieren. Der Spielball trudelt in Nieder- und Obersickte ein. "Wir gehören nun zusammen", kommt als Antwort. Kreimeyer lobt dieses Zusammengehörigkeitsgefühl: "Wunderbar!"

Und die so genannten "Bergdörfer"? Gibt es da doch eine Kluft? Eine Gilzumerin trägt zur Aufklärung bei. Auch der Bürgermeister aus Dettum steht Rede und Antwort. Kreimeyer ist zufrieden, appelliert, die Wirtschaft in der Region weiter zu stärken. "Hier werden Synergieeffekte frei gesetzt". Allein was aus Apelnstedt auf die Republik zurollen wird. Immerhin gibt es hier schon zwei aktive Mitglieder der Seniorenpartei. Die Apelnstedter Rentnerin, die gesteht, sich nicht an den Namen ihrer Partei erinnern zu können, macht auf jeden Fall weiter mit. Wisse sie doch zwei Millionen mobil machende Rentnerinnen hinter sich.

90 hoch amäsante Minuten vergehen wie im Fluge. Kreimeyer geht in die erklatschte Verlängerung, legt dreimal nach. Fazit nach erörterter Welt- und Kommunalpolitik: "Das Leben ist hart - aber in Sickte noch härter". Kreimeyer gastierte auf Einladung der Sickter Kulturinitiative in Sickte.
Margit Richert

Berliner Tagesspiegel, Ticket Oktober 2008

Charme, Gift und Zerrüttung

NORBERT TEFELSKI begibt sich in eine Schicksalsgemeinschaft

"Das Pubikum spielt mit. Da schlag ich mir immer wieder auf die Schenkel." Mit diesen Worten ironisierte einst Hanns Dieter Hüsch die Humoristen-Unsitte, Pointen auf Kosten des Publikums zu erzeugen. Im Grunde tut Thomas Kreimeyer in seinem "Kabarett der rote Stuhl" nichts anderes. Aber, O Wunder, Peinlichkeiten bleiben aus. Man ist geneigt, es genial zu nennen, wenn der "sich unterhaltende Unterhalter" das Scheinbar-Varieté zum intimen Wohnzimmer umfunktioniert.

Er spricht einen Zuschauer direkt an, fragte etwa "Wie haben Sie sich auf die Vorstellung vorbereitet?", verdreht, übertreibt, absurdisiert die Antwort, reicht die Staffel weiter an einen anderen, konstruiert Bezüge zwischen beiden - und, haste-nich-gesehn, ist das ganze Publikum eine plauderselige Schicksalsgemeinschaft. Welch urkomische Resultate das zeitigen kann, muss man selbst erleben. Der "Moderator", der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Victor de Kowa hat, ist zugleich Charmebolzen und Giftspritze. Wenn er skeptisch eine Braue hebt oder ungläubig die Augen aufreißt, weil ihn eine Aussage wieder mal "völlig zerrüttet", vergisst man glatt den roten Stuhl. Über dessen Funktion hier nichts verraten wird.

Scheinbar, Mo 27.10., 20.30 Uhr, 12 €, erm. 8 €

Döbelner Anzeiger, 18. Februar 2008

Stegreif-Kabarett ist nichts für Weicheier

Thomas Kreimeyer macht das Publikum im voll besetzten Café Courage zum Bestandteil seines Programms

"So ab jetzt sind die Türen verschlossen. Ketzt kommt keiner mehr hier raus." Was wie eine Drohung klingt, war am Freitag die Eröffnung eines Kabarettabends mit Thomas Kreimeyer im Café Courage. 'Kabarett der rote Stuhl' hatte der Berliner sein Programm überschieben. Dabei kommt er genau genommen vollkommen ohne Programm aus. Stattdessen plaudert Kreimeyer mit den rund 60 Zuschauern im vollbestzten Café Courage und schlägt dann mit Wortwitz und Schlagfertigkeit zu.

Das Publikum lacht über sich selbst. Auf keinen Fall ist Thomas Kreimeyers Stegreif-Kabarett etwas für Weicheier. Ob man will oder nicht. Nahezu jeder im Publikum muss damit rechnen, Bestandteil des Programms zu werden. Da ist die Logopädin in Ausbildung, die im Zwiegespräch von mundmotorischen Übungen gegen Lispeln spricht und nicht ganz freiwillig für Komik sorgt:"Mundmotorische Übungen? Du küsst also das Lispeln weg. Hat Dein Freun früher gelispelt?", und schon ist der Sitznachbar dran. Kreimeyer ist ein sich unterhaltender Unterhalter und kitzelt dabei ganz spontane Gags aus seinen Zuhörern. Auch die Elterngeneration, die mittlerweile so wie die Jugend zum Kleinkunstpublikum im Café Courage gehört, bekommt bei Kreimeyer in spontanen Dialogen ihr Fett weg.

Der Kabarettist zieht trotz der Spontanität des Programms dennoch die Fäden. Die Plauderei kommt immer irgendwie auf einen witzigen Punkt ohne abzugleiten oder die angesprochenen Gäste vorzuführen. Kreimeyer macht weder sich noch die Zuhörer zum Clown. Hundertprozentig ist jeder Auftritt des Berliners ein Unikat und vom jeweiligen Publikum hängt der Ausgang des Abends ab. Freitagabend im Café Courage war ein hausgemachter Brüller. Kreimeyer sollten die Treibhausleute durchaus wieder in ihren Kulturbeutel packen.
Thomas Sparrer

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2007 Seitenanfang

Süddeutsche Zeitung, 8. Juni 2007

Mach es wie die Eieruhr

Thomas Kreimeyer eröffnet die Berliner Gastspiele im Heppel

Zwei Dinge bringt Thomas Kreimeyer mit auf die Bühne: einen kleinen roten Plastikstuhl und eine Eieruhr. Ersterer hat ?keine essentielle Bedeutung, er ist einfach mit dabei". Falls man sich intellektuell überfordert fühle, könne man darauf schauen und eine kleine Auszeit nehmen, Die Eieruhr dagegen hat eine entscheidende Funktion, denn Kreimeyer arbeite auf Zeit. Ein Eierfuhrdurchlauf: Pause. Zwei Eieruhrdurchläufe: Ende der Veranstaltung. Da weiß man, worauf man sich eingelassen hat. ?Das ist zu ihrer Sicherheit", betont Kreimeyer, der in seinem schnieken grauen Anzug und seinem roten T-Shirt gar nicht so aussieht wie ein Kabarettist. Er ist auch nicht wie anderer seines Fachs. Wie eine Zuschauerin treffend bemerkt: ?Jedes Kabarett ist anders. Je nachdem, wer auftritt."
Kreimeyer jedenfalls, der mit seinem Programm ?Der rote Stuhl" die Reihe ?Berlin zu Gast in München" im Heppel & Ettlich eröffnet, hat keine vorgefertigten Texte dabei. Nur ein Konzept, das heißt: ?Ich nehme, was kommt, und versuche, was daraus zu machen." Der Abend entsteht, während er stattfindet. Kreimeyer sucht das Gespräch mit den Zuschauern und macht sich einen Reim auf das, was sie sagen. Manchmal ist das gar nicht mehr nötig, dann sind die Antworten der Zuschauer schon lustiger und entlarvender als manch anderer Kabarett-Abend: ?Wie lange sind sie schon zusammen?" ?Es geht schon noch."
Kreimeyer beherrscht perfekt, was Heinrich von Kleist ?die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" nannte. Er greift die Impulse aus dem Publikum auf, stellt Zusammenhänge her - und landet bei Themen, von denen er selbst vorher keine Ahnung hatte. Und wenn man ihm dabei so zuhört, wird einem bewusst, wie lustig das Leben eigentlich ist. Nach zwei Eieruhrdurchläufen hat er eine derart gute Laune ins anfangs eher müde Publikum gezaubert, dass das Klingeln der Uhr geradezu gnadenlos erscheint.
(Anne Fritsch)

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Braunschweiger Zeitung 22. Januar 2007

Das Publikum ist das Trampolin

Thomas Kreimeyer bietet in Sickte Kabarett im Dialog

Sickte. Eine Requisite hat er dabei: Einen roten Stuhl aus Plastik von der Größe eines Puppenstubenmobilliars: Thomas Kreimeyer ist das ?Kabarett der rote Stuhl". Der Stuhl ist Symbol. Logo.
In den Stuhl könnte reininterpretiert werden was wolle, sagt er im Gespräch. Und er, Thomas Kreimeyer? Er verkörpert - ja, was eigentlich? Das sagt er nicht. Aber man erlebt es - jeder in diesem vollbesetzten Barocksaal des Sickter Herrenhauses. Kreimeyer macht Kabarett, das steht in der Ankündigung. Kabarett aber nicht so, wie man es kenn und erwartet. Nicht literarisch, nicht politisch: kommunikativ, dialogisch.

Er macht das Publikum zu seinem Programm. Und das lässt sich darauf ein, Mit spürbarer Lust und sichtlichem Spaß. Kreimeyer kreiert eine neue3 Spielform dieses Genres Kabarett. Er geht mit nichts auf die Bühne. Er predigt nicht mit vorbereiteten kabarettistischen Statements, sondern er wartet auf einen Impuls: Und der kommt. Und dann stellt Kreimeyer Fragen. Und sein Publikum lässt sich darauf ein.
Es ist wie ein Ball, den er kickt, der zurückgeschossen wird, der abgegeben wird, der gehalten wird. Kommunikation ist alles. Natürlich wird auch Sickte Thema. Mit zärtlicher Ironie streichelt Kreimeyer die Provinz und ihre Reize. Über Landgasthof und Bürgermeister kommt man zur Jugendfeuerwehr, zur Partei der Grünen, zu Beziehungen, zur Psyche des Mannes und dann wieder über ein trükrisfarbenes Damentaschentuch mit Monogramm zur großen benachbarten Stadt und zum Dorf in der niedersächsischen Provinz.
Er pirscht sich an die Themen, ist charmant und direkt und lacht mit den Lachern, und das sind alle. Kreimeyer, der Berliner, war erstmalig auf Einladung der Sickter Kulturinitiative im Ort. Satire, Kabarett, Comedy, all das beherrscht der Mann vom Stehgreif-Kabarett und setzt es spielerisch und gezielt nebenbei ein. Er packt das Leben beim hingeschnodderten Wort und macht Kabarett im Dialog.
Das Publikum ist sein Trampolin. Kreimeyer hat sein Diplom in Soziologie gemacht und in der Clowns-Schule von Philip Gaulier in Paris fürs Leben gelernt. Schließlich ist er der geworden, der er ist, wie er sich seinem begeisterten Sickter Publikum präsentierte. sq

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